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Datum: 28.03.2023

Kinderschutzkonzept der Stadt Velten

Die Ofenstadt Velten arbeitet seit mehr als einem Jahr intensiv an einem Kinderschutzkonzept für die sechs städtischen Kitas und Horte. Ziel ist es, dafür zu sorgen, dass diese Einrichtungen sichere Orte für Kinder sind.

Dies betrifft sowohl den Umgang der Fachkräfte mit Kinderbeteiligungsrechten und Verdachtsfällen häuslicher oder sexueller Gewalt als auch mögliche Kindeswohlgefährdungen innerhalb der Kita, die durch Mitarbeitende oder Eltern angezeigt werden. Federführend bei diesem umfangreichen Prozess ist Veltens Pädagogische Fachleitung, Patricia Joya. Sie erläutert, warum das mehr als 30-seitige Konzept nicht für die Schublade, sondern für den praktischen Alltag in den Kindertagesstätten geschrieben wird.

Interview mit Patricia Joya – Kinderschutzkonzept der Stadt Velten für Kitas und Horte

Frau Joya, warum braucht Velten ein Kinderschutzkonzept?

Patricia Joya: Wir müssen als Träger unseren Schutzauftrag gewährleisten. Es geht darum, das für Kitas gesetzlich vorgeschriebene Kinderschutzkonzept so anzupassen, dass es auf die individuellen Bedürfnisse der Veltener Einrichtungen anwendbar ist. Es bietet pädagogischen Mitarbeitenden, aber auch Eltern einen Handwerkskasten zum Handeln, wenn Dinge in Schieflage geraten. So regelt das Konzept einerseits transparent und namentlich hinterlegt, wer bei Verdachtsfällen von Kindeswohlgefährdungen wann wie zu reagieren hat. Andererseits beinhaltet es präventive Maßnahmen für die Mitarbeitenden, damit unsere Kinder behütetet aufwachsen können.

Sollte es nicht klar sein, dass Kitas und Horte sichere Häfen für unsere Kinder sind?

Patricia Joya: Natürlich muss es das Selbstverständnis einer jeden pädagogischen Fachkraft sein, den anvertrauten Kindern mit Achtsamkeit und Zuneigung zu begegnen. Doch auch pädagogische Fachkräfte können an ihre Grenzen geraten. Das ist an sich völlig in Ordnung. Aber wir arbeiten in der Kita mit Menschen. Eine E-Mail, über die ich mich im Büro ärgere, kann ich erstmal schließen und den Inhalt sacken lassen. In einer Kita-Gruppe können die Fachkräfte nicht so einfach eine für sie herausfordernde Situation hinter sich lassen. Gerade für diese Momente braucht es klare präventive Handlungsinstrumente, damit sich Stress und Ärger nicht in grenzverletzendem Verhalten gegenüber den Kindern entladen.

Wie können solche Hilfen im Kita-Alltag aussehen?

Patricia Joya: Es geht uns um eine Kultur der Transparenz und Offenheit. Alle Mitarbeitenden sollen sich immer wieder hinterfragen, wo sie momentan stehen und dies offen aussprechen dürfen. Dafür wird es in jedem Gruppenraum eine Ampel geben, auf der das Personal ein erhöhtes Stresslevel anzeigen kann, um sich gegenseitig besser zu unterstützen. Es gilt auch das Vier-Augen-Prinzip in den Gruppen. Außerdem regelt ein Verhaltenskodex im Konzept klar, welche Handlungen am Kind nicht tolerierbar sind, etwa Kinder zum Schlafen oder zum Essen zu zwingen. Das Kinderschutzkonzept, das stetig fortgeschrieben und evaluiert wird, hilft also den Fachkräften im Kita-Alltag, sich selbstsicher und professionell verhalten zu können. Das Schutzkonzept ist daher eine Pflichtlektüre für unsere pädagogischen Fachkräfte.

Das Kinderschutzkonzept findet sich unter dem Punkt „Kindertagesstätten“ auf www.velten.de.


März 2023